In Deutschland diskutieren wir seit Jahren darüber, ob Integration wirklich funktioniert. Politiker und Medien erzählen oft von Erfolgen, aber ganz ehrlich – wenn man sich in manchen Städten umsieht, sieht das schon anders aus. Es gibt inzwischen Parallelgesellschaften, in denen Gruppen sich voneinander abschotten und kaum Kontakt zur Mehrheit haben.

Die Zahlen sind ziemlich eindeutig: Nur 54 Prozent der Geflüchteten arbeiten nach sechs Jahren – das liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 77 Prozent.
In manchen Städten steigt der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund schnell an. Gera zum Beispiel: Vor 2015 waren es drei Prozent, heute sind es fast 14 Prozent.
Das sorgt für Spannungen. Einige Migranten ziehen sich in ihre eigenen Gemeinschaften zurück, während viele Deutsche Angst vor Überfremdung bekommen.
Wie entstehen eigentlich Parallelgesellschaften? Was blockiert Integration? Und gibt es Lösungen, die wirklich helfen könnten?
Was ist eine Parallelgesellschaft? Begriffe, Entstehung und Merkmale

Parallelgesellschaften entstehen, wenn Minderheiten sich räumlich und kulturell von der Mehrheit abgrenzen. Meistens passiert das durch soziale Segregation und betrifft ganz unterschiedliche Gruppen.
Definition von Parallelgesellschaften
Eine Parallelgesellschaft ist eine Gruppe, die sich selbst organisiert und bewusst abgrenzt. Sie folgt oft ihren eigenen Werten und Regeln.
Was steckt dahinter?
- Räumliche Trennung in bestimmten Vierteln
- Soziale Abschottung mit wenig Kontakt zur Mehrheit
- Kulturelle Eigenständigkeit mit eigenen Normen
Experten streiten sich über die genaue Definition. Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz meinen, echte Parallelgesellschaften gibt’s hier gar nicht. Kritiker werfen ein, der Begriff werde politisch missbraucht.
Die Wissenschaft unterscheidet: Manchmal ziehen sich Gruppen freiwillig zurück, manchmal werden sie ausgegrenzt. Nicht jede Gruppe mit Migrationshintergrund, die dicht zusammenwohnt, bildet gleich eine Parallelgesellschaft.
Ursachen und Entstehungsprozesse
Verschiedene gesellschaftliche Faktoren führen dazu, dass Parallelgesellschaften entstehen. Segregation startet oft, wenn wirtschaftliche Probleme in der Mehrheit auftreten.
Was sind die Hauptursachen?
- Arbeitslosigkeit und soziale Krisen
- Diskriminierung beim Wohnen und Arbeiten
- Fehlende Integrationsangebote
- Sprachprobleme und Bildungsmängel
Soziologe Wilhelm Heitmeyer sieht das so: Gruppen reagieren auf Krisen und ziehen sich zurück, wenn die Mehrheit Druck macht.
Historisch wiederholt sich das Muster. Deutsche Einwanderer in den USA gründeten bis zum Ersten Weltkrieg deutschsprachige Gemeinden. Nach 1945 entstanden in Deutschland Gemeinschaften von Flüchtlingen und später türkischen Gastarbeitern.
Gesellschaftliche und kulturelle Merkmale
Parallelgesellschaften erkennt man an bestimmten Dingen. Sie bauen eigene Strukturen und Wege der Kommunikation auf.
Typische Merkmale:
- Eigene Läden, Restaurants und Dienstleister
- Separate Schulen oder Privatschulen
- Religiöse Zentren als Treffpunkte
- Heiraten meist innerhalb der Gruppe
Die Sprache ist zentral. Viele sprechen hauptsächlich ihre Muttersprache und können wenig Deutsch.
Das gibt Neuankömmlingen Halt, aber es macht den Kontakt zur Mehrheit schwerer.
In Städten wie Berlin-Kreuzberg oder Duisburg-Marxloh sieht man diese Strukturen ganz klar. Menschen mit Migrationshintergrund leben dort oft eng zusammen und haben wenig Kontakt zu anderen.
Integration in Deutschland: Herausforderungen und Realitäten

Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten mehrere Migrationswellen erlebt. Das hat das Land vor große Integrationsaufgaben gestellt.
Sprachbarrieren erschweren oft den Zugang zu Bildung und Arbeit. Dazu kommen Diskriminierung und andere Hürden.
Historischer Überblick über Migration und Zuwanderung
Die Zuwanderung fing in den 1950ern mit Gastarbeitern aus Italien, Spanien, der Türkei und anderen Ländern an. Eigentlich sollten sie nur kurz bleiben.
In den 90ern kamen viele Aussiedler aus Osteuropa und Kriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien. 2015/2016 kamen dann über eine Million Geflüchtete – das war die größte Herausforderung.
Mit dem Zuwanderungsgesetz von 2005 wurde Integration erstmals zur staatlichen Aufgabe. Seitdem gibt’s Integrationskurse und viele kommunale Konzepte.
Heute setzen verschiedene Regionen auf eigene Integrationsmodelle. 221 von 400 Kreisen haben schon eigene Konzepte. Nordrhein-Westfalen ist da vorne, Bayern und Baden-Württemberg eher zurückhaltend.
Die Rolle von Sprache im Integrationsprozess
Die deutsche Sprache ist einfach der Schlüssel. Ohne Deutschkenntnisse bleibt einem vieles verschlossen.
Integrationskurse bieten 600 Stunden Deutsch und 100 Stunden Orientierung. Trotzdem erreichen viele das B1-Niveau für eine Ausbildung nicht.
Herausforderungen beim Spracherwerb:
- Unterschiedliche Bildungshintergründe
- Kaum Übungsmöglichkeiten im Alltag
- Lange Wartezeiten auf Kursplätze
- Alphabetisierung für Menschen ohne Schulbildung
Kinder mit Migrationshintergrund holen laut OECD im Bildungsbereich auf. Trotzdem gibt’s noch Unterschiede bei Abschlüssen und Ausbildung.
Soziale und wirtschaftliche Hindernisse
Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt und bei Bewerbungen macht Integration schwer. Studien zeigen: Wer einen ausländischen Namen hat, wird seltener eingeladen.
Obwohl Deutschland Fachkräfte braucht, klappt die Arbeitsmarktintegration oft nur langsam.
Warum ist das so?
- Qualifikationen aus dem Heimatland werden nicht anerkannt
- Es fehlen Netzwerke für die Jobsuche
- Bewerbungsverfahren sind schwer verständlich
- Arbeitgeber haben Vorurteile
Strukturschwache Regionen kämpfen mit besonderen Problemen. Dort gibt’s wenig Jobs, schlechte Anbindung und kaum Beratungsangebote.
Gerade diese Regionen könnten aber von Zuwanderung profitieren.
Der BDI fordert eine echte Willkommenskultur, die schon bei den Botschaften im Ausland anfängt. Sonst verliert Deutschland im Wettbewerb um Fachkräfte.
Faktoren für gescheiterte Integration und Entstehung von Parallelgesellschaften
Verschiedene Faktoren spielen zusammen, wenn Parallelgesellschaften entstehen. Fehlende politische Entscheidungen, räumliche Konzentration in bestimmten Vierteln und gesellschaftliche Debatten verstärken das Problem.
Politische Rahmenbedingungen und Integrationspolitik
Die deutsche Integrationspolitik hat jahrzehntelang die Weichen falsch gestellt. Deutschland ging davon aus, dass Arbeitsmigranten nur kurz bleiben. Deshalb kümmerte sich kaum jemand um Integration.
Was sind die Folgen?
- Staatsangehörigkeit: Viele Migranten und ihre Kinder bleiben Staatsbürger ihrer Herkunftsländer
- Sprachkenntnisse: Oft reichen die Deutschkenntnisse nicht für echte Teilhabe
- Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit ist deutlich höher als bei Einheimischen
- Soziale Sicherung: Viele sind auf Sozialhilfe angewiesen
Die Migrationspolitik setzte lange auf temporäre Aufenthalte. Erst spät entstanden Integrationsangebote.
Gleichberechtigter Zugang zu Bildung, Arbeit und Wohnraum ist aber wichtig.
Segregation und Stadtteildynamiken
Segregation entsteht, wenn sich mehrere Faktoren gegenseitig verstärken. Ökonomische Zwänge treiben Migranten oft in günstige Viertel mit vielen Ausländern.
Solche Stadtteile bieten zunächst Vorteile:
- Orientierung: Vertrauter Rahmen in fremder Umgebung
- Netzwerke: Nachbarn sprechen dieselbe Sprache
- Infrastruktur: Läden und Services für spezielle Bedürfnisse
- Unterstützung: Materielle und emotionale Hilfe
Diese Viertel können als Brücke dienen. Problematisch wird’s, wenn sie zu dauerhaften Rückzugsräumen werden.
Dann entstehen Parallelgesellschaften mit eigenen Werten und wenig Kontakt zur Mehrheit.
Kritische Perspektiven: Ghettos und problematische Quartiere
Ghettos und problematische Viertel verschärfen Integrationsprobleme. Dort herrschen hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Schulen und soziale Spannungen.
Typische Entwicklungen:
- Bildungsdefizite: Schulen mit vielen Migranten haben oft zu wenig Ressourcen
- Jugendarbeitslosigkeit: Fehlende Perspektiven fördern Radikalisierung
- Parallelstrukturen: Eigene Läden, Vereine und religiöse Zentren entstehen
- Sprachbarrieren: Deutsch verliert als Alltagssprache an Bedeutung
Solche Quartiere nennt man oft „Integrationsfall“. Sie gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Werte.
Gesellschaftliche Debatte und prominente Akteure
Friedrich Merz und andere Politiker greifen das Thema Parallelgesellschaften in Deutschland immer wieder auf. Mal läuft die Diskussion sachlich ab, mal kochen die Emotionen ziemlich hoch.
Die Medien haben den Begriff „Parallelgesellschaft“ längst als Kampfbegriff übernommen. Nach Terroranschlägen oder gesellschaftlichen Krisen flammt die Debatte meist besonders stark auf.
Kritiker warnen oft davor, ganze Gruppen vorschnell zu verurteilen.
Experten schauen aus verschiedenen Blickwinkeln auf das Thema:
- Strukturelle Faktoren: Arbeitslosigkeit und Diskriminierung spielen eine große Rolle.
- Kulturelle Unterschiede: Unterschiedliche Werte sorgen für Integrationsprobleme.
- Mediale Darstellung: Übertriebene Berichte schüren zusätzliche Spannungen.
Diese Diskussion beeinflusst, wie viele Menschen Integration wahrnehmen. Sie wirkt sich auch direkt auf politische Entscheidungen aus.
Lösungsansätze und Zukunftsperspektiven
Für eine gelungene Integration braucht es gezielte Schritte. Drei Bereiche stehen dabei im Fokus: gleiche Teilhabe am Alltag, Bildung als Schlüssel für sozialen Aufstieg und konkrete politische Maßnahmen gegen strukturelle Hürden.
Förderung der Teilhabe und Chancengleichheit
Arbeitsmarktintegration ist ein zentrales Thema. Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse muss schneller und unkomplizierter ablaufen.
Viele Fachkräfte arbeiten noch immer unter ihrem Niveau, weil ihre Qualifikationen hier nicht zählen.
Sprachförderung sollte viel früher ansetzen. Schon im Kindergarten profitieren Kinder von intensiven Deutschkursen.
Das erleichtert ihnen später den Start in der Schule.
Anti-Diskriminierung verlangt nach klaren Schritten:
- Anonyme Bewerbungen in Unternehmen
- Schulungen für Personalchefs
- Beschwerdestellen bei Benachteiligung
Wenn Sie die Einbürgerung erleichtern und Langzeitresidenten das kommunale Wahlrecht geben, wächst das Gefühl von Verantwortung und Zugehörigkeit.
Bedeutung von Bildung und sozialer Durchmischung
Bildung entscheidet oft über den Integrationsweg. Schulen in Stadtteilen mit vielen Migranten brauchen gezielte Unterstützung.
Kleinere Klassen und mehr Lehrkräfte verbessern dort die Chancen.
Soziale Durchmischung kann Parallelgesellschaften verhindern. Die Wohnungspolitik sollte Segregation vermeiden.
Dazu gehört:
- Sozialwohnungen gleichmäßig verteilen
- Gentrifizierung im Blick behalten
- Gemischte Wohnviertel fördern
Ganztagsschulen bringen Kinder aus unterschiedlichen Familien zusammen. Sport- und Kulturvereine bieten Räume für Begegnungen zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten.
Frühkindliche Bildung spielt eine große Rolle. In benachteiligten Vierteln braucht es mehr Kita-Plätze.
Mehrsprachige Erzieher erleichtern den Kindern den Übergang zur deutschen Sprache.
Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft
Kommunale Ebene trägt die Hauptverantwortung für Integration vor Ort. Städte brauchen dringend mehr finanzielle Mittel vom Bund.
Man sieht in erfolgreichen Städten, dass lokale Netzwerke zwischen Verwaltung, Vereinen und Migrantenorganisationen ziemlich gut funktionieren. Es ist beeindruckend, wie diese Zusammenarbeit oft Hürden überwindet.
Unternehmen sollten Vielfalt wirklich als Chance sehen. Mentoring-Programme können Migranten den Einstieg ins Berufsleben erleichtern.
Interkulturelle Teams bringen neue Ideen und fördern kreative Lösungen. Sie machen die Arbeitswelt einfach bunter und lebendiger.
Zivilgesellschaft übernimmt eine Schlüsselrolle:
- Nachbarschaftsinitiativen wachsen und bringen Menschen zusammen.
- Ehrenamtliche Sprachpaten unterstützen beim Spracherwerb.
- Kulturelle Veranstaltungen schaffen Begegnungen.
Die Medien berichten am besten ausgewogen. Zu viele negative Schlagzeilen schüren leider Vorurteile.
Es braucht mehr positive Integrationsgeschichten, die echte Erfolge zeigen.
Langfristige Strategie verlangt Geduld. Integration zieht sich oft über Generationen.
Man muss gleichzeitig in Bildung, Arbeit und Wohnen investieren, sonst bleibt der große Durchbruch aus.




