ARD und ZDF betreiben gerade 22 Fernsehsender, die wir alle mit unseren monatlichen Rundfunkbeiträgen finanzieren. Ganz ehrlich, braucht’s wirklich so viele? Eher nicht – und auch die Politik setzt längst den Rotstift an. Ab Dezember 2025 greift ein neuer Reformstaatsvertrag, der die Zahl der Programme spürbar senkt.

Über Jahrzehnte ist die heutige Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewachsen. Das Ergebnis: viele Spartensender, die sich teils überschneiden.
Wir zahlen monatlich 18,36 Euro. Politiker und Experten streiten sich immer wieder darüber, ob das System wirklich effizient läuft.
Die Reformen werden bald zeigen, welche Sender überflüssig sind. Sie verändern die Medienlandschaft in Deutschland und beeinflussen auch den Rundfunkbeitrag.
Hintergrund: Das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem in Deutschland

Deutschland fährt ein duales Rundfunksystem: öffentlich-rechtliche und private Sender. ARD, ZDF und Deutschlandradio sind das Rückgrat und finanzieren sich über den Rundfunkbeitrag.
Struktur und Auftrag von ARD und ZDF
Die ARD besteht aus neun regionalen Landesrundfunkanstalten. Sie schlossen sich 1950 zur Arbeitsgemeinschaft zusammen.
Jede Anstalt kümmert sich eigenständig um ihr Bundesland oder ihre Region. Das ZDF kam 1963 als zentrale Anstalt aller Bundesländer dazu.
Beide Sender bekommen einen gesetzlichen Auftrag: informieren, bilden, unterhalten – möglichst umfassend. Das unterscheidet sie klar von privaten Sendern, die fast nur Werbung verkaufen.
Der monatliche Rundfunkbeitrag von 18,36 Euro pro Haushalt finanziert das alles. Ein bisschen Werbung gibt’s auch noch, aber nicht viel.
Beteiligte Sender und ihre regionale Verteilung
Die neun ARD-Anstalten decken Deutschland regional ab:
- NDR: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg
- WDR: Nordrhein-Westfalen
- HR: Hessen
- SWR: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz
- BR: Bayern
- MDR: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
- RBB: Berlin, Brandenburg
- Radio Bremen: Bremen
- SR: Saarland
Das ZDF sendet bundesweit und verzichtet auf regionale Gliederung. Zusammen betreiben ARD und ZDF verschiedene Gemeinschaftsprogramme und Spartensender.
Die Rolle von Deutschlandradio und 3sat
Deutschlandradio bildet die dritte Säule. Es betreibt drei bundesweite Hörfunkprogramme: Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova.
3sat läuft als Gemeinschaftsprojekt von ARD, ZDF, ORF und SRF. Der Kultursender zeigt vor allem Dokus, Kultur und internationale Produktionen.
Beide Angebote ergänzen das Hauptprogramm. Sie richten sich an Leute, die mehr Information und kulturelle Bildung suchen.
Sind 22 Fernsehsender für Staatsmedien notwendig?
Die Debatte um die Senderzahl dreht sich um Medienvielfalt, Kosten und gesellschaftliche Relevanz. Befürworter betonen die Programmvielfalt und den Bildungsauftrag.
Andere halten die Kosten für zu hoch und sehen das System als ineffizient an.
Argumente für den Erhalt der Sender-Vielfalt
ARD und ZDF begründen ihr großes Senderangebot mit dem gesetzlichen Auftrag. Spartensender wie 3sat, ARTE oder KiKA sprechen Zielgruppen an, die die Privaten links liegen lassen.
Kulturprogramme, Bildungsformate und regionale Inhalte würden ohne diese Vielfalt ziemlich leiden. Die Dritten Programme der ARD stärken die föderale Struktur und liefern regionale Berichte.
Programmvielfalt heißt, Sie können zwischen verschiedenen Qualitätsniveaus wählen. Dokumentationen, Klassikkonzerte und investigativer Journalismus profitieren davon.
Die Sender behaupten, sie erreichen gesellschaftliche Gruppen, die sonst kaum vorkommen.
Kritik an der Anzahl und Ausrichtung der Sender
Viele Deutsche fragen sich, ob 22 Fernsehsender wirklich nötig sind. 78 Prozent lehnten laut einer Umfrage weitere Beitragserhöhungen ab.
Kritik gibt’s besonders wegen Doppelstrukturen zwischen ARD und ZDF. Oft laufen ähnliche Programme gleichzeitig – wozu eigentlich?
Nur noch 60 Prozent der Zuschauer schalten täglich die öffentlich-rechtlichen Programme ein. Die sinkenden Zahlen machen das große Angebot schwerer zu rechtfertigen.
Kritiker sagen, viele Spartensender senden Nischenprogramme, die kaum jemanden interessieren. Ob das für die Allgemeinheit noch relevant ist?
Die Ministerpräsidenten haben darauf mit dem Reformstaatsvertrag reagiert. Sie wollen das System verschlanken.
Kostenstruktur und der Streit um den Rundfunkbeitrag
Der Rundfunkbeitrag von 18,36 Euro monatlich finanziert das System. Mit 22 Fernsehsendern entstehen hohe Produktions- und Personalkosten.
Jeder Haushalt zahlt über 220 Euro im Jahr. Viele fragen sich, ob das bei immer weniger Nutzung noch gerechtfertigt ist.
Die Kosten bleiben oft undurchsichtig. Wer weiß schon, was einzelne Sender wirklich verschlingen?
Reformdruck entstand besonders nach Skandalen wie beim RBB. Patricia Schlesinger trat 2022 wegen Misswirtschaft zurück.
Solche Vorfälle lassen Zweifel an der effizienten Mittelverwendung wachsen.
Die Politik verlangt jetzt „finanzwirksame Selbstverpflichtungen“ von den Sendern.
Vergleich mit internationalen Modellen
International läuft das unterschiedlich. Die BBC in Großbritannien hat weniger Sender – mit ähnlichem Budget.
| Land | Öffentl.-rechtl. TV-Sender | Jährliche Gebühr |
|---|---|---|
| Deutschland | 22 | ca. 220 Euro |
| Großbritannien | 10 | ca. 190 Euro |
| Frankreich | 7 | ca. 138 Euro |
Frankreich setzt auf wenige, aber starke Programme. Offenbar braucht Qualität nicht immer Quantität.
Skandinavien geht mehr ins Digitale statt auf viele lineare Sender. Vielleicht ist das auch für Deutschland der Weg.
Der Reformstaatsvertrag nimmt sich diese Entwicklungen teilweise zum Vorbild. Ab Dezember 2025 fallen einige Sender weg, Inhalte wandern ins Netz.
Politische Debatte und Reformvorschläge
Die Politik ringt heftig um die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien. Im Zentrum stehen der Reformstaatsvertrag und diverse Sparvorschläge rund um ARD, ZDF und deren viele Programme.
Positionen der Ministerpräsidenten und der Rundfunkkommission
Die Ministerpräsidenten verlangen seit 2022 deutliche Reformen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nach dem RBB-Skandal forderten sie „finanzwirksame Selbstverpflichtungserklärungen“.
Die Rundfunkkommission der Länder warnte, dass einzelne Skandale das ganze System beschädigen könnten. Weil die Intendanten keine freiwilligen Sparmaßnahmen lieferten, beschlossen die Länder im Januar 2023 den verbindlichen Reformstaatsvertrag.
Was die Politik will:
- Weniger Programme und Sender
- Klarere Abgrenzung zum privaten Rundfunk
- Weniger Online-Angebote
- Mehr Transparenz bei den Ausgaben
Der Staatsvertrag trat am 1. Dezember 2025 in Kraft. ARD, ZDF und Deutschlandradio müssen sich jetzt umstellen.
Vorgeschlagene Fusionen und Einsparpotenziale
Politiker wollen Sender zusammenlegen, um die Vielfalt zu reduzieren. Besonders die vielen ARD-Spartensender stehen im Kreuzfeuer.
Sie sehen große Sparmöglichkeiten bei den 22 linearen TV-Programmen.
Diskutierte Modelle:
- Dritte Programme zusammenlegen
- Kinderkanäle reduzieren
- Weniger Kulturprogramme
- Online-Angebote straffen
Die Chefs der Staats- und Senatskanzleien fordern schärfere Regeln für Presseähnlichkeit. Die Sender sollen weniger Text online bringen und sich mehr auf Audio und Video konzentrieren.
Experten rechnen mit Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro jährlich durch kluge Fusionen und Strukturreformen.
Reaktionen von Intendanten wie Kai Gniffke
SWR-Intendant Kai Gniffke und seine Kollegen stemmen sich gegen harte Kürzungen. Sie sagen, Qualitätsjournalismus braucht ordentliches Geld.
Die Intendanten betonen ihre Verantwortung gerade in Zeiten von Fake News.
Gniffke warnt, dass zu starke Eingriffe die Programmautonomie gefährden. Er sieht die Gefahr, dass wichtige journalistische Angebote verschwinden.
Die Intendanten setzen lieber auf moderate Reformen statt auf radikale Schnitte.
Gegenargumente der Sender:
- Medienpluralismus braucht Vielfalt
- Regionale Identität durch Dritte Programme
- Bildungsauftrag bei Kindersendern
- Kulturelle Verantwortung
Die Sender haben eigene Reformvorschläge gemacht, die weniger drastisch ausfallen als die politischen Forderungen.
Die Rolle der Medienpolitik in der aktuellen Debatte
Medienpolitik rückt immer mehr in den Fokus der Wahlkämpfe. Die AfD will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk komplett abschaffen. Andere Parteien schlagen verschiedene Reformen vor.
Politische Positionen:
- CDU/CSU: Sie setzen auf moderate Reformen und wollen weniger Online-Angebote.
- SPD: Sie wollen den Bestand sichern, aber kleine Anpassungen zulassen.
- FDP: Die Partei fordert schlankere Strukturen.
- AfD: Sie fordert die Abschaffung des Systems.
- Grüne: Sie wollen Reformen, aber der Grundauftrag soll bleiben.
Die Bundesländer tragen die Verantwortung für die Medienpolitik. Sie suchen einen Kompromiss zwischen öffentlichem Druck und rechtlichen Vorgaben.
Mit dem Reformstaatsvertrag versuchen sie, das System zu modernisieren. Dabei stellen sie das Grundprinzip nicht infrage.
Umfragen zeigen, dass 78 Prozent der Bürger keine weiteren Beitragserhöhungen wollen. Dieser Druck zwingt die Politik zu echten Reformen.
Zukunftsperspektiven für das öffentlich-rechtliche Fernsehen
ARD und ZDF stehen durch die Digitalisierung vor großen Veränderungen. Gleichzeitig müssen sie das Vertrauen der Zuschauer zurückgewinnen.
Eine neue Strategie könnte die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien sichern. Aber wie genau soll das aussehen?
Digitalisierung, Mediatheken und neue Formate
Digitale Medien verändern, wie wir Inhalte konsumieren. ARD und ZDF bieten bereits über 50 Radiosender und 20 TV-Sender digital an.
Das kostet viel Geld, obwohl die Budgets schrumpfen.
Erfolgreiche digitale Strategien:
- ZDF Neo zeigt, wie Jugendsender funktionieren können.
- Mediatheken werden für zeitversetztes Schauen immer wichtiger.
- Online-Portale und Apps sprechen neue Zielgruppen an.
Die Sender stehen vor einer Entscheidung: Setzen sie auf Qualität oder Quantität? Weniger Kanäle könnten zu besseren Inhalten führen.
Private Anbieter wie RTL oder ProSieben gehen oft anders vor. Öffentlich-rechtliche Sender müssen sich abheben.
Streaming-Dienste machen ordentlich Konkurrenz. ARD und ZDF brauchen deshalb eine klare digitale Strategie.
Sie sollten moderne Formate entwickeln, die auch online überzeugen. Wer schaut heute noch nur klassisches Fernsehen?
Akzeptanz und Glaubwürdigkeit bei den Zuschauerinnen und Zuschauern
Ihre Gebühren von 17,98 Euro im Monat finanzieren das System. Dafür erwarten Sie gute Inhalte und verlässliche Nachrichten.
Gerade in Zeiten von Fake News gewinnen unabhängige Medien an Bedeutung.
Herausforderungen für das Vertrauen:
- Politischer Einfluss in den Gremien schadet der Glaubwürdigkeit.
- Zu viele ähnliche Programme verwirren die Zuschauer.
- Hohe Kosten sorgen für Kritik und Unmut.
ARD und ZDF kämpfen mit einem Legitimationsproblem. Viele Menschen nutzen längst kostenlose oder günstige digitale Angebote.
Die Sender müssen zeigen, dass sie das Geld wert sind.
Junge Menschen interessieren sich immer weniger für klassisches Fernsehen. Öffentlich-rechtliche Sender sollten neue Wege finden, um diese Zielgruppe zu erreichen.
Ausblick: Brauchen wir eine Neuausrichtung?
Eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks rückt immer näher. Kurt Beck spricht sich schon für weniger Digitalkanäle und ein effizienteres Management aus.
Mögliche Reformschritte:
- Weniger als 22 Sender – die Zahl der Kanäle müsste sinken
- Konzentration auf die Kernaufgaben: Information, Kultur und Bildung
- Weniger politischer Einfluss in den Gremien
- Eine stabilere Finanzierung, aber ohne automatische Gebührenerhöhungen
Die Zukunft? Sie hängt an einer Profilschärfung. ARD und ZDF sollten sich deutlicher von kommerziellen Anbietern abheben.
Das klappt vor allem mit hochwertigen Dokus, unabhängigen Nachrichten und kulturellen Inhalten. Eigentlich wissen das alle, aber setzen wir es auch um?
Eine gemeinsame Digitalisierungsstrategie könnte endlich Kosten einsparen. Manche Experten schlagen vor, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio eine neue Gesellschaft gründen.
Damit bündeln die Sender Ressourcen, ohne komplett ihre Eigenständigkeit aufzugeben.




