Deutschland verarbeitet immer noch die Folgen der Corona-Pandemie. Da drängt sich eine unangenehme Frage auf: Sind unsere Gesundheitsminister tatsächlich bereit für die nächste Pandemie?
Jens Spahn, der ehemalige Bundesgesundheitsminister, meint: Deutschland steht heute nicht besser da als 2020 – und das fünf Jahre nach dem ersten Corona-Fall. Die Digitalisierung in den Ämtern bleibt ein Sorgenkind. Es fehlen nach wie vor genügend Vorräte an wichtiger Schutzausrüstung.

Fachleute sind sich einig: Eine neue Pandemie kommt, es ist nur eine Frage der Zeit. Die Wahrscheinlichkeit liegt jährlich bei etwa zwei Prozent – das klingt wenig, aber irgendwie auch nicht.
Bayern behauptet zwar, gut vorbereitet zu sein. Doch auf Bundesebene zeigen sich weiterhin große Schwächen.
Die Lücke zwischen politischen Versprechen und der Realität fällt immer mehr auf. Wie steht Deutschland eigentlich im internationalen Vergleich da? Welche praktischen Probleme gibt’s noch? Und was müsste passieren, damit wir beim nächsten Mal nicht wieder auf dem falschen Fuß erwischt werden?
Realitätscheck: Wie vorbereitet sind Gesundheitsminister auf die nächste Pandemie?

Wenn man ehrlich ist, bleiben die Vorbereitungen auf künftige Pandemien lückenhaft. Karl Lauterbach (SPD) wehrt sich zwar gegen Kritik, aber offizielle Berichte zeigen ein anderes Bild.
Lehren aus der Corona-Pandemie für die Politik
Die Corona-Pandemie hat Deutschland damals ziemlich kalt erwischt. Und fünf Jahre später sieht die Bilanz immer noch ernüchternd aus.
Der Bundesrechnungshof kritisiert das Gesundheitsministerium scharf. Es fehlen immer noch klare Pandemiepläne, und niemand kann genau sagen, wie viele Intensivbetten es eigentlich gibt.
Das Ministerium selbst nennt diese Punkte „essenziell für die Vorbereitung auf weitere Pandemien“.
Wichtige Problembereiche:
- Kein aktueller nationaler Pandemieplan
- Zahl der Intensivbetten sinkt trotz Milliardeninvestitionen
- Pflegekräftemangel verschärft alles noch weiter
Im Jahr 2020 bekamen deutsche Krankenhäuser 681,2 Millionen Euro für mehr Intensivbetten. Eigentlich sollten damit 13.700 zusätzliche Betten entstehen. Aber ab Oktober 2020 sank die Zahl der Betten immer weiter.
Offizielle Pandemiepläne und ihre Umsetzung
Deutschland arbeitet gerade an einem neuen Pandemieplan. Allerdings kommt das Ganze nur schleppend voran.
Das Gesundheitsministerium und die Bundesländer versuchen, die Erfahrungen aus Corona einfließen zu lassen. Trotzdem gibt es noch keinen fertigen Plan.
Der Rechnungshof sagt: Eine „grundlegende Überarbeitung des Nationalen Pandemieplans ist bisher nicht erfolgt.“
Fehlende Strukturen:
- Es gibt keine Meldestrukturen für systemrelevante Ausstattung
- Die Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Ländern bleiben unklar
- Bei der Kapazitätsplanung fehlt die Koordination
Die Bundesländer fanden es „nicht erforderlich“, die Versorgungskapazität dauerhaft auszubauen. Das zeigt ziemlich deutlich die Kluft zwischen politischen Ansagen und dem, was tatsächlich passiert.
Kritik und Transparenz bei Entscheidungen der Gesundheitsminister
Seit 2021 steht Karl Lauterbach fast ununterbrochen in der Kritik. Seine Kommunikation während der Pandemie sorgte für reichlich Diskussionen.
Er nannte die Covid-Impfungen wiederholt nebenwirkungsfrei. Später gab er zu, dass es bei wenigen Geimpften zu schweren, irreversiblen Schäden kommen kann. Diese Kehrtwende hat das Vertrauen in seine Aussagen ordentlich geschwächt.
Politische Bewertungen:
- Jens Spahn: „Wir sind nicht besser auf eine neue Pandemie vorbereitet als 2020“
- Wolfgang Kubicki: Fordert Lauterbachs Rücktritt
- Lauterbach selbst: Weist die Kritik an fehlender Pandemie-Vorbereitung zurück
Die widersprüchlichen Aussagen zwischen Ministerium und Rechnungshof machen das Transparenzproblem nur noch deutlicher. Die Wirtschaft braucht eigentlich klare Pläne, aber in Sachen Bereitschaft für die nächste Pandemie herrscht ziemliche Unklarheit.
Deutschland im Vergleich: Nationale und internationale Zusammenarbeit

Deutschland spielt eine wichtige Rolle in der globalen Gesundheitspolitik. Gerade durch EU-Initiativen und internationale Organisationen versucht man, die Pandemievorbereitung zu stärken.
Die Koordination zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen bleibt aber ein echtes Problem für eine schnelle Krisenreaktion.
Europäische und globale Initiativen gegen Infektionskrankheiten
Die EU-Strategie zur globalen Gesundheit von 2022 bildet die Basis für Deutschlands Aktivitäten im Ausland. Deutschland unterstützt diese Strategie aktiv und bringt sich in G7- und G20-Formaten ein.
2017 fand unter deutscher G20-Präsidentschaft erstmals ein Treffen der Gesundheitsminister statt. Das war schon ein Signal, dass Gesundheitsfragen international an Bedeutung gewinnen.
Mit dem Global Health Protection Programme (GHPP) unterstützt Deutschland Partnerländer und die WHO bei der Epidemieprävention. Der One Health-Ansatz verbindet Human-, Tier- und Umweltgesundheit – das klingt sinnvoll, oder?
Wichtige deutsche Beiträge:
- Deutschland zählt zu den größten WHO-Geldgebern
- Man legt Wert auf die Stärkung der WHO-Koordinierungsrolle
- Regionalpartnerschaften in Ost- und Mitteleuropa werden unterstützt
Rolle der EU und internationaler Organisationen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht im Mittelpunkt der deutschen Gesundheitspolitik. Deutschland setzt sich für mehr politische und finanzielle Unterstützung der WHO ein.
Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 lag der Fokus auf der Bewältigung von Covid-19 und auf der Stärkung der Krisenreaktionsfähigkeit. Diese Erfahrungen fließen jetzt in die aktuellen Vorbereitungen ein.
Der World Health Summit hat sich zur wichtigsten Konferenz für globale Gesundheit entwickelt. Deutschland ist dort langjähriger Partner und nutzt die Plattform für neue Lösungsansätze.
Internationale Vernetzung:
- Global Health Hub Germany (2019): Vernetzt unterschiedliche Sektoren
- Jugenddelegiertenprogramm: Fördert Nachwuchs in internationalen Gesundheitsgremien
- Health-in-All-Policies-Prinzip: Gesundheit soll überall mitgedacht werden
Koordination zwischen Bund, Ländern und Kommunen
Die Bundesregierung verfolgt eine ressortübergreifende Strategie nach dem One Health-Ansatz. Alle Ressorts arbeiten nach dem Health-in-All-Policies-Prinzip zusammen.
Ein jährlicher Staatssekretär-Jour-Fixe bringt die politischen Positionen auf Linie. Der Ressortkreis Globale Gesundheit stimmt operative Fragen ab und sorgt für ein einigermaßen kohärentes Auftreten.
Das Epidemiengesetz regelt, wer was zu tun hat. Aber die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass die Abstimmung zwischen Bund und Ländern oft hakt.
Koordinationsprobleme:
- Die föderale Struktur erschwert einheitliche Maßnahmen
- Zuständigkeiten bei Infektionskrankheiten sind verteilt
- Es braucht eine bessere Abstimmung zwischen Wissenschaft und Politik
Der Unterausschuss Globale Gesundheit im Bundestag bekommt regelmäßig Berichte zur Umsetzung der Gesundheitspolitik. Das soll die demokratische Kontrolle und Transparenz stärken.
Praktische Herausforderungen: Gesundheitssystem und gesellschaftliche Aspekte
Das deutsche Gesundheitssystem kämpft mit strukturellen Problemen, die eine schnelle Reaktion auf Pandemien erschweren. Es fehlt an Koordination, Vorräten und manchmal auch am gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Intensivmedizin und Krankenhausstruktur
Die Intensivmedizin ist das Rückgrat der Pandemie-Bekämpfung. In Deutschland gibt es rund 28.000 Intensivbetten, aber sie sind nicht gleichmäßig verteilt.
Während Corona wurden die Schwächen deutlich sichtbar.
Personalengpässe sind das größte Problem. Für jedes Intensivbett braucht man mindestens drei ausgebildete Pflegekräfte. Der Fachkräftemangel wird immer schlimmer. Viele Pflegekräfte haben nach der Pandemie hingeschmissen.
Die Koordination zwischen Kliniken läuft nicht gut. Ein bundesweites Verlegungssystem für Intensivpatienten gibt’s nicht. Regionale Überlastungen lassen sich deshalb kaum ausgleichen.
Finanzielle Anreize setzen falsche Schwerpunkte. Kliniken bauen eher profitable Eingriffe aus als die Notfallvorsorge. Viele haben sogar Intensivbetten abgebaut, um Kosten zu sparen. Das schwächt die Bereitschaft enorm.
Schutzmaßnahmen und Bevorratung von medizinischem Material
Die strategische Reserve an medizinischem Material war zu Beginn der Corona-Krise praktisch nicht vorhanden. Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel – alles ging aus. Das war schon peinlich.
Beschaffungswege sind viel zu kompliziert und langsam. Mehrere Behörden konkurrieren um die gleichen Materialien. Eine zentrale Beschaffungsstelle könnte hier wirklich helfen.
Die Lagerhaltung richtet sich nach dem Alltag, nicht nach der Krise. Viele Kliniken halten nur für ein paar Tage Vorrat. Wenn die Lieferketten reißen, gibt’s sofort Probleme.
Produktionskapazitäten in Deutschland reichen nicht aus. Während der Pandemie wurde die Abhängigkeit von asiatischen Herstellern sehr deutlich. Es wäre sinnvoll, die lokale Produktion zu stärken, damit wir im Ernstfall nicht wieder das Nachsehen haben.
Kommunikation, Vertrauen und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Widersprüchliche Botschaften und ständige Kurswechsel haben das Vertrauen in die Gesundheitspolitik spürbar beschädigt.
Nur mit klarer, verständlicher Kommunikation kann sie Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.
Wissenschaftskommunikation sollte wirklich einfacher werden.
Viele Menschen fühlen sich von komplizierten epidemiologischen Daten überfordert.
Kurze, einheitliche Botschaften kommen einfach besser an als ausufernde Erklärungen.
Soziale Medien verbreiten Falschinformationen und Verschwörungstheorien besonders schnell.
Oft reagieren die offiziellen Stellen zu spät, wenn Gerüchte viral gehen.
Eigentlich müssten sie viel proaktiver aufklären.
Beim gesellschaftlichen Zusammenhalt spürt man die Folgen polarisierender Diskussionen.
Extreme Stimmen bestimmen die Debatte, während moderate Ansichten kaum Gehör finden – obwohl sie die Mehrheit ausmachen.
Jugendliche und Risikogruppen im Pandemiefall
Jugendliche haben in der Coronavirus-Pandemie besonders gelitten.
Schulschließungen, soziale Isolation und kaum Freizeitmöglichkeiten führten zu psychischen Problemen.
Die Suizidrate ist deutlich gestiegen.
Bildungsdefizite entstanden durch langen Fernunterricht.
Sozial benachteiligte Jugendliche traf es besonders hart.
Oft fehlten digitale Geräte und technisches Know-how.
Risikogruppen wie ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen brauchen besonderen Schutz.
Doch ihre Isolation führt zu sozialen und gesundheitlichen Problemen.
Man muss hier irgendwie zwischen Schutz und Teilhabe abwägen.
Die psychische Gesundheit hat sich für alle Altersgruppen verschlechtert.
Therapieplätze sind knapp, und die Wartezeiten ziehen sich.
Es braucht mehr präventive Angebote und niedrigschwellige Hilfen.
Zukunftsausblick: Risiken, One Health und Handlungsbedarf
Eine weitere Pandemie steht uns wohl bevor – das klingt nicht gerade beruhigend.
Bekannte Erreger wie SARS und Vogelgrippe mutieren weiter, und durch Massentierhaltung sowie globale Vernetzung entstehen immer neue Übertragungswege für Infektionskrankheiten.
Neue und bekannte Bedrohungen: SARS, Pocken, Vogelgrippe
SARS-Viren bleiben eine echte Bedrohung.
COVID-19 hat uns gezeigt, wie schnell sich Coronaviren verbreiten.
Forschende warnen schon vor neuen Varianten, die noch ansteckender oder gefährlicher werden könnten.
Die Vogelgrippe H5N1 breitet sich weltweit aus.
Jeder Sprung auf Säugetiere erhöht das Risiko für eine Übertragung auf Menschen.
2024 haben sich bereits Arbeiter auf Geflügelfarmen infiziert.
Pocken gelten zwar als ausgerottet, aber in Laboren in Russland und den USA lagern noch Viren.
Bioterrorismus oder Laborunfälle könnten die Pocken zurückbringen.
Da seit 1980 nicht mehr geimpft wird, fehlt den Jüngeren jeglicher Schutz.
Mpox zeigt, wie schnell sich eigentlich regionale Erreger weltweit verbreiten können.
Die WHO hat Mpox 2024 erneut als internationale Gesundheitsnotlage eingestuft.
Bedeutung der One-Health-Strategie
One Health verbindet die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt.
Die Strategie erkennt, dass 75 Prozent aller neuen Infektionskrankheiten von Tieren stammen.
Deutschland unterstützt den One-Health-Ansatz mit:
- Überwachungssystemen für Zoonosen in Tierbeständen
- Interdisziplinärer Forschung zwischen Human- und Veterinärmedizin
- Internationalen Kooperationen mit Afrika und anderen Regionen
- Frühwarnsystemen zur Erkennung neuer Erreger
Die Bundesregierung fördert das „One Health Research Center“ in Nairobi.
Wissenschaftler überwachen dort Wildtiere und erforschen neue Übertragungswege.
Erfolgreiche Pandemieprävention braucht diesen vernetzten Ansatz.
Nur wenn alle Disziplinen zusammenarbeiten, lassen sich neue Erreger früh erkennen und eindämmen.
Risiken aus Tierhaltung und globaler Vernetzung
Massentierhaltung bietet leider perfekte Bedingungen für Virusmutationen. Wenn Tiere eng zusammenleben, bekommen sie oft Antibiotika, und die genetische Einheitlichkeit macht es Krankheitserregern leicht, sich zu entwickeln.
Der Wildtierhandel bringt noch mehr Risiken mit sich. Manche Experten meinen, dass von 1,7 Millionen unentdeckten Viren in Wildtieren bis zu 850.000 tatsächlich Menschen infizieren könnten. Wer weiß, wie viele davon uns schon begegnet sind?
Globale Vernetzung verschärft die ganze Lage:
- Flugzeuge tragen Erreger innerhalb von 24 Stunden um die Welt.
- Klimawandel verändert, wo Überträger wie Mücken leben.
- Durch Urbanisierung kommen Menschen Wildtieren immer näher.
- Massenmigration kann Ausbrüche noch schneller machen.
Seit 2020 sucht die „Internationale Allianz gegen Gesundheitsrisiken im Wildtierhandel“ nach Lösungen. Über 120 Organisationen arbeiten zusammen, um den Wildtierhandel besser zu regulieren und Krankheitserreger gezielter zu überwachen.




